Fossile Rolle rückwärts statt Zukunftspolitik.
Wir erleben derzeit eine geopolitische Zeitenwende. Kriege, massive menschliche Leiden und gravierende Umweltschäden prägen das Weltgeschehen. Der Kampf um Ressourcen wird wieder offen mit Macht geführt: Wer stärker ist, nimmt sich, was er braucht. Gleichzeitig leugnen oder verhöhnen Staaten den Klimawandel und setzen erneut auf fossile Energien, um kurzfristig wirtschaftliche Vorteile zu sichern.
Auch in Deutschland zeichnet sich ein besorgniserregender Kurs ab. Die Bundesregierung glaubt offenbar, mit dem Kippen des Verbrenner-Aus die heimische Autoindustrie retten zu können. Gleichzeitig sollen milliardenschwere Subventionen für neue Gaskraftwerke bis 2030 die Stromversorgung sichern. Das wirft eine zentrale Frage auf: Geht es hier wirklich um Klimaschutz und Zukunftsfähigkeit oder um die Bewahrung fossiler Interessen?
Diese Frage stellt sich umso dringlicher mit Blick auf die neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Ihre Nähe zur fossilen Energiewirtschaft ist kein Geheimnis. Dass sie eine Studie zur Energiewende beim energiewirtschaftlichen Institut (EWI) der Universität zu Köln in Auftrag gibt, einer Institution, die seit Jahren für ihre Nähe zu fossilen Positionen kritisiert wird, ist ein klares politisches Signal. Zumal es für die Bewertung der Energiewende längst eine unabhängige Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring gibt. Wer parallel dazu andere Studien beauftragt, sucht offenbar nicht Erkenntnis, sondern Legitimation für einen Kurswechsel.
Reiche macht dabei keinen Hehl aus ihrer Haltung. Wie schon ihr Vorgänger Peter Altmaier bremst sie den Ausbau der Erneuerbaren Energien, bezeichnet die Heizungs- und Gebäudewende als überzogen und stellt zentrale Klimaziele infrage. Das ist kein Neuanfang, das ist Altmaier 2.0 mit allen bekannten Folgen: Verzögerung, Verwässerung und verlorene Zeit.
Dabei mangelt es nicht an Lösungen. Konzepte für eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung liegen längst auf dem Tisch. Was fehlt, ist der politische Wille, sie konsequent umzusetzen. Die Folgen sind messbar: Die Energiewende kommt langsamer voran, als es angesichts der Klimakrise notwendig wäre. Und das völlig unnötig. Eine Studie im Auftrag von Agora Energiewende zeigt klar, dass ein schneller Ausbau der Erneuerbaren Energien die Strompreise senkt und zwar unabhängig vom steigenden Stromverbrauch.
Die entscheidende Frage ist also nicht, ob wir uns die Energiewende leisten können. Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, sie weiter auszubremsen. Wer heute auf fossile Übergangslösungen setzt, zementiert Abhängigkeiten von gestern und verspielt die Chancen von morgen. Die Energiewende ist kein ideologisches Projekt, sie ist eine wirtschaftliche, ökologische und sicherheitspolitische Notwendigkeit. Und sie braucht endlich eine Politik, die diesen Namen verdient.
Fazit: Politische Blockaden statt Fortschritt
Die Energiewende scheitert nicht an fehlendem Wissen, technischen Hürden oder wirtschaftlicher Unvernunft, sie scheitert am politischen Kurs. Während die Klimakrise eskaliert und geopolitische Abhängigkeiten zunehmen, setzt die Bundesregierung erneut auf fossile Übergangslösungen und bremst den Ausbau der Erneuerbaren aus. Statt konsequenter Umsetzung bekannter Lösungen dominieren industriepolitische Rücksichtnahmen und der Versuch, einen rückwärtsgewandten Kurs wissenschaftlich zu legitimieren. Damit wird wertvolle Zeit verspielt. Die Energiewende ist längst keine Option mehr, sondern eine zwingende Voraussetzung für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität. Wer sie weiter verzögert, handelt nicht pragmatisch, sondern verantwortungslos.




