„Der unverzügliche Wechsel zu erneuerbaren Energien ist keine Last, sondern die größte greifbare soziale und wirtschaftliche Zukunftschance“ – Hermann Scheer –
Die im Dokumentarfilm von 2010 „die 4. Revolution -Energy Autonomy“ beschriebene Vision der dezentralen Energieversorgung durch saubere, kostenlose Quellen, die Machtstrukturen verändert und die Energieautonomie für jeden zugänglich macht, um Klimakrise und Ressourcenknappheit zu bewältigen, ist voll im Gange und lässt sich auch nicht mehr aufhalten.
Die aktuelle Transformation hin zu Erneuerbaren, Batteriespeichern und Elektromobilität, ist ein Teil dieser Revolution, die unsere Märkte und Gesellschaft verändert.
Die Energiewende wird oft als Zumutung verkauft: zu teuer, zu kompliziert, zu schnell. Diese Erzählung hält sich hartnäckig und sie ist falsch. In Wahrheit ist die Energiewende keine Belastung, sondern eine der größten Chancen, die wir wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch seit Jahrzehnten haben. Sie entscheidet darüber, ob wir gestalten oder verwalten, ob wir investieren oder verlieren.
Energiewende: Wer jetzt bremst, verliert
Kaum ein politisches Projekt wird so konsequent schlechtgeredet wie die Energiewende. Sie sei zu teuer, schade der Wirtschaft, überfordere die Bürger und komme „zu früh“. Diese Argumente klingen vernünftig – sind aber bei genauerem Hinsehen vor allem eines: Ausreden, um am Alten festzuhalten. Denn nicht die Energiewende ist das Risiko, sondern ihre Verzögerung.
„Die Energiewende ist zu teuer“ – wirklich?
Dieses Argument hält sich hartnäckig, ignoriert aber eine einfache Wahrheit: Teuer ist nicht der Umbau, sondern das Festhalten am fossilen System. Fossile Energien verursachen Kosten, die selten ehrlich bilanziert werden von Klimaschäden über Gesundheitskosten bis hin zu milliardenschweren Importen. Erneuerbare Energien hingegen sind Investitionen mit planbaren Erträgen. Wer heute noch behauptet, Klimaschutz sei ein Luxus, verwechselt kurzfristige Ausgaben mit langfristiger Vernunft. Die eigentliche Kostenexplosion droht dort, wo nichts verändert wird.
„Das schadet unserer Wirtschaft“
Auch dieses Argument klingt vertraut – und ist historisch falsch. Wirtschaftlicher Fortschritt entstand nie durch Stillstand. Die Energiewende zerstört keine Wettbewerbsfähigkeit, sie verschiebt sie. Unternehmen, die früh auf Effizienz, Elektrifizierung und erneuerbare Energien setzen, sichern sich technologische Vorsprünge. Unternehmen, die auf fossile Pfade wetten, riskieren Stranded Assets und Marktverluste. Wer den Wandel blockiert, schützt nicht die Wirtschaft – er schützt Geschäftsmodelle von gestern.
„Die Bürger können sich das nicht leisten“
Was Bürgerinnen und Bürger sich wirklich nicht leisten können, sind dauerhaft hohe und unberechenbare Energiepreise. Genau diese sind das Ergebnis fossiler Abhängigkeit. Die Energiewende bietet im Gegensatz dazu die Chance auf Kontrolle: eigene Stromerzeugung, geringere Heizkosten, stabile Ausgaben. Ja, der Einstieg kostet Geld aber Abhängigkeit kostet dauerhaft. Wer soziale Gerechtigkeit ernst meint, muss die Energiewende beschleunigen, nicht ausbremsen, und sie fair finanzieren, statt sie zu verteufeln.
„Deutschland rettet das Klima doch nicht allein“
Dieses Argument ist vielleicht das bequemste und das folgenreichste. Wenn jeder wartet, bis andere anfangen, passiert gar nichts. Deutschland mag das Weltklima nicht allein retten, aber es entscheidet mit darüber, welche Technologien, Standards und Geschäftsmodelle global dominieren. Wer hier vorangeht, verkauft Lösungen. Wer sich wegduckt, kauft sie später teuer ein. Verantwortung abzugeben, heißt nicht, realistisch zu sein es heißt, Gestaltungsmacht zu verschenken.
„Das ist alles Ideologie“
Die Energiewende ist vieles, aber sicher kein ideologisches Wunschdenken. Sie folgt physikalischen, ökonomischen und geopolitischen Realitäten. Fossile Ressourcen werden knapper, teurer und politisch riskanter. Erneuerbare werden günstiger, effizienter und skalierbarer. Wer das ignoriert, argumentiert nicht nüchtern, sondern emotional, aus Angst vor Veränderung.
Die unbequeme Wahrheit
Die Energiewende scheitert nicht an Technik, nicht an Machbarkeit und nicht an fehlendem Wissen. Sie scheitert dort, wo Bequemlichkeit als Pragmatismus verkauft wird und Besitzstandswahrung als Vernunft.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob die Energiewende perfekt ist. Sie ist es nicht. Die entscheidende Frage ist, ob wir lieber an einem fehlerhaften Fortschritt arbeite oder an einem perfekten Stillstand festhalten wollen.
Wer heute gegen die Energiewende argumentiert, argumentiert nicht für Stabilität, sondern für Abhängigkeit. Nicht für Wohlstand, sondern für Verzögerung. Nicht für Realismus, sondern für das Festhalten an einer Vergangenheit, die längst teurer ist als jede Veränderung.




